Sicherheit und Versicherungen für Profisportler – ein Ratgeber

Es muss nicht eigens erwähnt werden, dass Sprichworte wie „Sport ist Mord“ nicht der Wahrheit entsprechen, dennoch scheint mehr dahinter zu stecken als eine billige Ausrede für die Bewegungsfaulen unter uns.

Grundsätzlich sind Sportler zwar im Regelfall die gesündesten Menschen, jedoch darf das erhöhte Unfallrisiko bei Ausübung diverser Sportarten und die damit verbundenen, häufig immensen Kosten nicht vergessen werden.

Tipp:Vorab über die richtige Versicherung für Sportler Gedanken machen
Um ein sorgenfreies Sportvergnügen gewährleisten zu können wird deshalb empfohlen, sich auch um den „worst case“ eines Unfalles Gedanken zu machen und abzuwägen, welche Versicherungsmodelle eine rentable Prävention für eventuelle Schäden darstellen.

1. Unfallversicherung
Lücken in der gesetzlichen Versicherung
Vom Begriff „Unfallversicherung“ der gesetzlichen Pflichtversicherung wird man als Laie häufig getäuscht, da diese lediglich im Falle eines Arbeitsunfalles oder einer Berufskrankheit volle Versicherungsleistungen erbringt.

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Wichtig: Die richtige Absicherung bei einem Unfall

Beim sogenannten „Freizeitunfall“ – einem Schadensereignis, das dem privaten Risikobereich zuzuordnen ist, wie es auch bei Sportverletzungen der Fall ist – sind die Leistungen der Pflichtversicherung äußerst gering und decken meist nur einen Teil des tatsächlichen Schadens ab.

Übernommen werden im Regelfall zwar die Behandlungskosten, jedoch nicht die Folgeschäden. Ebenfalls nicht immer übernommen werden die Kosten für einen eventuell notwendigen Abtransport von der Unfallstelle wie zum Beispiel einem Helikoptereinsatz.

Hier gilt, dass die Kasse zwar grundsätzlich bezahlt, wenn der Flug eine medizinische Notwendigkeit darstellt, jedoch sind Bergungen von Extremsportlern allgemein aus den Versicherungsleistungen ausgeschlossen. Nach Unfällen mit Flugdrachen, Paragleitern, Luftfahrzeugen, Fallschirmen o.ä. hat der Verletzte somit selbst für seine Bergung aufzukommen.

Die Vorteile einer privaten Versicherung

Um die Lücken der gesetzlichen Versicherung zu schließen ist es somit empfehlenswert, als Sportler über einen zusätzlichen privaten Versicherungsschutz nachzudenken.

Dieser kann dann auch folgende Leistungen abdecken:

  • Unfallrente
  • Invalidenrente
  • Pflegerente
  • Waisenrente
  • Rehabilitationsbeihilfe
  • Zuschüsse bei kosmetischen Operationen
  • Erstattung von Heilkosten
  • Erstattung von Bergungskosten
  • Erstattung von Rückholkosten
  • Erstattung von Überführungskosten
  • Spitalsgeld
  • Taggeld

Alle diese Leistungen verfolgen nur einen Zweck:

Sie sollen den Geschädigten so stellen, als wäre der Schaden nicht eingetroffen. Wer also beispielsweise aufgrund eines Sportunfalles in der Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit eingeschränkt ist, bekommt für den dadurch entstandenen Verdienstausfall Zahlungen in Form einer Rente vom Versicherungsunternehmen. (Quelle und Details: https://www.help.gv.at/Portal.Node/hlpd/public/content/289/Seite.2894004.html )
Beim Spitalsgeld handelt es sich um einen fixen Betrag, den die Versicherung pro Tag während eines Krankenhausaufenthaltes für bis zu vier Jahre bezahlt. Das Taggeld soll pro Tag bei dauernder oder vorübergehender Invalidität – also vollkommener Arbeitsunfähigkeit – ausgehändigt werden. Dies gilt für maximal 365 Tage.

Grundsätzlich variieren die jeweiligen Leistungen natürlich nach Versicherung und individueller Police.

Wichtig: Sonderfall Extremsport beachten!
klettern-am-bergLeider ist man als Sportler beim Abschluss von privaten Unfallversicherungen zur besonderen Vorsicht aufgerufen.

Bestimmte Unfälle sind üblicherweise grundsätzlich vom Versicherungsschutz ausgeschlossen.

Zu diesen Sportarten gehören

  • Fallschirmspringen
  • Paragliden
  • Tauchen
  • Teilnahme an motorsportlichen Wettbewerben
  • Teilnahme an wintersportlichen Wettbewerben

etc.

Wichtig: Gefahrentarif beachten!
Dies beruht darauf, dass aufgrund des sogenannten Gefahrentarifes Personengruppen abhängig von beruflicher Tätigkeit sowie Hobbys in unterschiedliche Gefahrengruppen eingeteilt werden. Ist man im täglichen Leben einer höheren Gefahr ausgesetzt, so ergibt sich folglich, dass auch die Wahrscheinlichkeit eines Unfalles steigt.

Das höhere Risiko des Eintrittes eines Versicherungsfalles lässt wiederum die vom Versicherten zu leistende Prämie steigen. (Quelle: http://www.unfallversicherungen.com/gesetzliche-unfallversicherung/finanzierung/der-gefahrtarif/ )

Kreis der nicht versicherbaren Personen
Die meisten Versicherungen zählen Extremsportler jedoch zu keiner der meist zwei Gefahrengruppen, sondern zum Kreis der schlechtweg nicht versicherbaren Personen.
Dies soll allerdings nicht heißen, dass man als Extremsportler auf Versicherungsschutz verzichten muss.

Um dieselben Leistungen wie eine Person der ersten oder zweiten Gefahrengruppe zu erhalten, gilt es eine gesonderte Vereinbarung mit der Versicherung zu treffen und die jeweiligen Angebote genau zu studieren. Durch das erhöhte Risiko muss man meist jedoch auch mit einer erhöhten Versicherungsprämie rechnen.

Eine Auflistung österreichischer Versicherungsunternehmen, die eine private Unfallversicherungen anbieten, findet sich unter folgendem Link: http://www.vvo.at/anbieter-unfallversicherung/index.php

2.) Berufsunfähigkeitsversicherung
Auch wenn die Folgen eines Unfalles nicht nur vorübergehend, sondern sogar dauerhaft zur Berufsunfähigkeit führen, weist die gesetzliche Versicherung Mängel auf. Im Dezember 2008 lag die gesetzliche Invaliditätspension für Männer bei etwa 1.113 Euro pro Monat und für Frauen bei lediglich 631 Euro. Um diese Versorgungslücke auszugleichen, empfiehlt sich der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung, die eine monatliche Zusatzrente bildet.

Hohe Prämien für Sportler
Bezüglich Prämien ist allerdings auch hier zu beachten, dass es gerade Sportler sind, die in der risikoreichsten Gruppe eingestuft werden. Die jährliche Zahlung einer solchen Versicherung für ein Mitglied der Risikoberufsgruppe (darunter fallen beispielsweise Krankenschwestern) fängt bei ca. 500 Euro für eine monatliche Rente von 750 Euro an.

Ein Profisportler hat hier also in jedem Fall mit einer satten Prämie zu rechnen, die sich im Eintritt des Schadensfalles jedoch in jedem Fall bezahlt machen wird.

3.) Auslandskrankenversicherung
Außerordentlich beliebt ist es, den Lieblingssport im Ausland bei oftmals besseren geographischen Verhältnissen auszuüben. Ein Unfall fern der Heimat ist jedoch meist mit besonderen Mehrkosten verbunden, die trotz geltender Sozialversicherungsabkommen nicht komplett durch den gesetzlichen Versicherungsträger abgedeckt sind.

Die Versicherungsleistungen privater Versicherungen schwanken natürlich je nach abgeschlossenem Paket und Prämie, beinhalten jedoch meist

  • Kosten für Medikamente, Arzt und Krankenhaus
  • Krankentransport (beinhaltet auch Rettungsflug, sofern dieser medizinisch notwendig ist)
  • Zusätzliche Aufenthaltskosten für Begleitpersonen des Versicherten, wenn ein Krankenrücktransport nicht notwendig ist
  • Fahrt zur gewünschten Fachklinik (die gesetzliche Versicherung übernimmt nur die Fahrt zum nächstgelegenen Krankenhaus)
  • Einbettzimmer im Krankenhaus
  • Behandlung durch Wunscharzt

Auslandskrankenversicherung – kein Luxus!

Während Leistungen wie ein bezahltes Einbettzimmer vielleicht auf den ersten Blick als überflüssig erscheinen, macht der Großteil der Basis-Leistungen einer Auslandskrankenversicherung durchaus Sinn. Je nach Zielland kann die Behandlung in einer privaten Fachklinik im Gegensatz zu einer solchen in einer öffentlichen Krankenanstalt vielleicht sogar Leben retten.krankenhaus-absicherung

4) Risikolebensversicherung
Leider entspricht es der traurigen Realität, dass sich tödliche Unfälle nie ganz vermeiden lassen können. Gerade wer leidenschaftlich Extremsportarten ausübt, sollte also diesen Gedanken nicht verdrängen und eventuelle Vorkehrungen für den Fall einer Verunglückung treffen.

Will man, dass die Familie oder auch eventuelle Geschäftspartner über das Ableben hinaus versorgt sind, so empfiehlt sich der Abschluss einer Risikolebensversicherung. Diese ist dafür ausgelegt, dass die vom Versicherten begünstigten Personen im Falle seines Ablebens eine vorher fixierte Summe ausbezahlt bekommen.

Praktizierte Sportart angeben!
Extrem wichtig ist es, auch in diesem Fall die ausgeübten Sportarten beim Abschluss der Versicherung anzugeben und sich eindringlich zu informieren, ob das gewählte Versicherungsmodell tödliche Unfälle bei der Ausübung dieser abdeckt. Grundsätzlich gilt: Ohne Angabe der ausgeübten Sportart erlischt der Versicherungsschutz und die Geldleistung wird nicht ausbezahlt!

5) Haftpflichtversicherung
Ob Sportler oder nicht – zu einer Haftpflichtversicherung ist wohl allgemein jedem zu raten. Diese hat den Sinn und Zweck Schadenersatzansprüche Dritter gegen den Versicherungsnehmer zu übernehmen.

Hohe Kosten durch Schadenersatzansprüche

Gerade bei der Ausübung einer sportlichen Tätigkeit ist das Risiko eine andere Person zu verletzten oder eine fremde Sache zu beschädigen besonders hoch. Der Kontrollverlust beim Radfahren oder Inlineskaten kann beispielsweise dazu führen, dass man ungebremst in ein parkendes Auto fährt. Gerade Schäden an Pkws sind meist sehr teuer.

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Wichtig: Kosten beachten!

Auch Personenschäden, die häufig Schmerzensgeld und einen eventuellen Ausgleich des Verdienstentfalles nach sich ziehen, können beinahe ins Unendliche steigen.

Wer Sport betreibt, sollte also unbedingt eine Haftpflichtversicherung abschließen. Wieder gilt allerdings: Nicht alle Haftpflichtversicherer decken auch Schäden durch Sportunfälle ab! Die jeweiligen Versicherungspolicen müssen also genauestens studiert werden.

Schlussfolgerung – privater Versicherungsschutz macht Sinn!
Zusammenfassend ist festzustellen, dass ein Versicherungsschutz, der über die gesetzliche Pflichtversicherung hinausgeht, für den pflichtbewussten Sportler/die pflichtbewusste Sportlerin essentiell ist. Unabhängig von der ausgeübten Sportart ist der Abschluss einer Unfallversicherung, einer Berufsunfähigkeitsversicherung und einer Haftpflichtversicherung empfehlenswert.

Je nach individuellem Lebensstil machen in manchen Fällen auch eine Auslandskrankenversicherung und eine Risikolebensversicherung Sinn.

Beim Abschluss der jeweiligen Versicherungen gilt immer:

  • + Police genau studieren
  • + Praktizierte Sportart angeben
  • + Gefahrentarife abklären (Kreis, der nicht versicherbaren Personen!)

Für Sportfans : People are awesome 2013

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